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Quo vadis Staats-Anleihen? Zinsen am Scheideweg!

Ein Beitrag von Wolfgang Müller, vom 21.10.2021

Bereits in den ersten Monaten des Jahres 2021 schien es soweit zu sein: Die Zinsen für die so maßgeblichen 10-jährigen US-Staatsanleihe waren von 0,92 Prozent auf 1,77 Prozent gestiegen, sehr zum Missfallen der amerikanischen Hightech-Werte, die in dieser Phase eine kleine Korrektur vollziehen mussten. Dann, wie aus heiterem Himmel, wieder ein Rückgang der Kapitalmarktzinsen, obwohl es gerade in dieser Phase – von März bis Juni – zu einem Anstieg der Inflation von 2,6 Prozent auf 5,4 Prozent gekommen ist. Seit ein paar Wochen geht es mit den Zinsen wieder aufwärts, ein Trend oder angesichts der wirtschaftlichen Sorgen oder ein False Break? Hier ein paar Grafiken zur Einordnung.
Real-Zinsen, im tiefen Tal der Tränen
Als es vom Sommer des Jahres 2020 bis März 2021 einen Anstieg der zehnjährigen US–Staatsanleihen von ihrem Allzeittief bei 0,52 Prozent auf ihr Nach-Corona-Hoch von 1,77 Prozent gab, schien sich die Zinslandschaft bei den Kapitalmarktzinsen tatsächlich zu normalisieren. Denn die Inflationsraten lagen fast ein Jahr lang bei 1,2 bis 1,7 Prozent.
Der Weg zu positiven Realrenditen schien im Bereich des Möglichen. Dann kam das Unglaubliche: Von März bis Juni diesen Jahres sprang der US-Verbraucherpreisindex CPI von 2,6 auf 5,4 Prozent, gleichzeitig sanken die Renditen für die US-Langläufer wieder unter die 1,5 Prozentmarke, die Realrenditen stiegen auf historisch tiefe minus vier Prozent.
Hier ein Überblick auf die langfristige Entwicklung der US-Langläufer. Eine schwierige Bodenbildung nach jahrzehntelangem Rückgang.  

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Die US-Notenbank steht in Kürze davor, ihr Notfallkaufprogramm für Anleihen in Höhe von monatlich 120 Milliarden Dollar zu reduzieren. Die Verwerfungen am US-Immobilienmarkt sind überdeutlich, noch immer pumpt die Federal Reserve 40 Milliarden Dollar monatlich in einen heiß gelaufenen Sektor, mit großen (finalen?) Preisanstiegen. Kein Wunder die Entwicklung der langfristigen Immobilienzinsen in der Übersicht der Notenbank von St. Louis FRED.

Die 30-jährige Mortgage Rate bei ihrer Bodenbildung.

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Seit der Finanzkrise hat die US-Notenbank mit ihren Anleihekäufen in Form von mehreren Programmen beim sogenannten Quantitative Easing QE bestimmt (manipuliert). Von 2016 bis Ende 2018 unternahm die Fed einen Versuch der Normalisierung der Leitzinsen. Als die Aktienmärkte im Dezember 2018 fast in einen Bärenmarkt gestürzt waren, die abermalige Zinswende.
Dann kam Corona mit der monetären Flut, die ohne Beispiel ist. Der US-Leitindex hat sich in große Höhen geschraubt, nicht zuletzt durch die Alternativlosigkeit der Kapitalanlage bei absurd niedrigen Realrenditen.
Jetzt fürchtet man sich global vor dem „Tapering“, vor allem die Aktienmärkte, die besonders durch die Ausschaltung ihres Konkurrenten profitiert haben.

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Fazit

Wieder ist ein kleiner Anstieg der Zinsen gestartet, das Problem der Inflation lässt sich nicht mehr völlig ignorieren. Auch wenn es in vielen Bereichen zu Rückgängen infolge Wirtschaftsabschwung und Basiseffekten kommen sollte, das Problem Energiepreisinflation wird sich nicht so ohne Weiteres verflüchtigen. Der politisch gewollte und unausweichliche Umbau bei der Energieversorgung dürfte eine längerfristige Angelegenheit werden.
Die Kapitalmarktzinsen werden steigen, weil die Notversorgung die Märkte in ihrer historisch einmaligen Dimension nicht mehr lange Bestand haben kann (Geldmengenausweitung +30 %). Allerdings stellt sich die Frage, ab wann ein Anstieg der Kapitalmarktzinsen sich negativ auf Wirtschaft und Börse auswirken wird, bei minus 2,0 oder 2,5 Prozent für die US-10-Jährigen?
Aus europäischer Sicht hat man bereits begonnen, prophylaktisch für die Zeit nach PEPP (Pandemic Emergency Purchasing Programme – Auslauftermin März 2022) und APP (Assets Purchasing Programme) nachzudenken. Wie weitere Anleihekäufe begründen und bezeichnen? Sonderfall Eurozone, aber die hochverschuldete Welt kann einen Rückgang zu alten Zinshöhen nicht verkraften.
Die alte Welt der Zinsen ist besonders in Europa aus den Fugen geraten.

 

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