Die Elliott-Wellen-Theorie

In der allgemeinen Wahrnehmung

„Die Elliott-Wellen (Elliott-Wellen-Theorie) sind ein Mittel der technischen Analyse zur Vorhersage von Trends in Finanzmärkten.

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Ralph-Nelson Elliott (1871 – 1948)

Die Theorie wurde in den späten 1920ern von dem US-Amerikaner Ralph Nelson Elliott entwickelt. Elliott versuchte damit, psychologische Aspekte des Käuferverhaltens zu berücksichtigen. Bedeutend zur Weiterentwicklung und Verbreitung der Elliott-Wellen-Theorie haben die US-Amerikaner Alfred Frost und Robert Prechter beigetragen.

Die Elliott-Wellen-Theorie ist insbesondere eine Analyse massenpsychologisch bedingter Marktbewegungen des Aktienmarktes. Wie andere Instrumente der technischen Analyse ist auch die Elliott-Wellen-Theorie umstritten.“ Auszug aus Wikipedia (www.wikipedia.de)

Grundlagen des Elliott-Wellen-Prinzips

Das Fundament der Elliott-Wellen-Theorie wird durch drei wesentliche Elemente gebildet:

  • Die Selbstähnlichkeit der Chartmuster im Großen sowie im Kleinen
  • Die fraktale Struktur der Bewegungen; die einzelnen Wellen bestehen selbst aus einzelnen Wellen, Fraktalen
  • Die Ausbildung von definierten Chartmustern.

Selbstähnlichkeit

Unter der Selbstähnlichkeit versteht man eine Struktur, eine bestimmte Charaktere, welche sich in allen Zeitebenen widerspiegelt welche sich in allen Zeitebenen widerspiegelt. Hierzu ein ganz einfaches Beispiel: Eine Bonsai-Ulme gleicht der normal gewachsenen Ulme, obwohl das unterschiedliche Größenverhältnis extrem ist.

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Ein weiteres Beispiel: Die Adern eines Blattes, sowie der Ast des Baumes gleichen dem Aufbau des gesamten Baumes. Auf einen Chart übertragen bedeutet das, dass sich ein bestimmtes Kursmuster über Jahrzehnte, über Monate; über Wochen; Tage; Stunden usw. ausbilden kann.

Fraktale Struktur

Die fraktale Struktur kennen wir aus der Chaos-Theorie oder finden diese auch im Ausdruck: Wie im Großen, so im Kleinen. Eine einzelne Welle besteht aus Fraktalen, aus Unterwellen.

Diese wiederum bestehen aus Unterwellen usw. usw.! In der Elliott-Wellen-Theorie werden diese Fraktale, bemessen an dem temporären Verlauf, in Wellengrade, häufig auch Zeitebenen genannt, eingeordnet.

Wellengrade beschreiben den Verlauf beginnend von einigen Minuten bis hin zu Jahrzehnten und räumen somit dem zeitlichen Verlauf eine ebenso große Rolle wie dem Kursverlauf ein. Dieses Element ist ein wesentlicher Unterschied zu anderen Analyseansätzen.

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Fraktale Struktur einer Impulswelle

Es ist also unabdingbar, die temporäre Komponente in Betracht zu ziehen. Daraus resultierend ist es mit Hilfe der Elliott-Wellen-Theorie möglich, Prognosen in Bezug auf Kurs sowie auch auf den zeitlichen Verlauf zu erstellen.

Das Bild zeigt eine Impulswelle (1-2-3-4-5). Dabei sind die Wellen (1-3-5) selbst Impulswellen, wobei die Wellen (2-4) Korrekturwellen sind. Würde man nun die Impulswellen selbst als einzelne Wellen betrachten, würde sich wieder eine fünfteilige Struktur darstellen. Dieses Prinzip kann theoretisch unendlich fortgesetzt werden, und zwar in beide Richtungen, also von immer kleiner, nach immer größer.

Elliott-Wellen-Chartmuster: Impulswelle

Die Impuls- oder auch Antriebswelle ist eine prinzipiell fünfteilige Bewegung, bei welcher die Unterwellen mit den Zahlen 1-5 gekennzeichnet werden. Eine Impulswelle kann selbst als Welle: 1; 3; 5; A und C in Erscheinung treten.

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Die Wellen 1; 3 und 5 müssen selbst Impulswellen sein und unterliegen natürlich den gleichen Gesetzmäßigkeiten. Die Wellen 2 und 4 korrigieren einen Teil der vorangegangenen Bewegung; es handelt sich bei diesen beiden Wellen um sogenannte Korrekturwellen.

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Impuls-Welle

Impulswellen unterliegen, wie alle anderen Muster auch, einem strengen und relativ umfangreichen Regelwerk, weshalb an dieser Stelle nicht näher darauf eingegangen wird. Impulswellen werden gelegentlich auch als Bull-Market-Wellen bezeichnet.

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Diagonal-Impuls

Doch diese Titulierung ist irreführend, denn Impulswellen können in beide Richtungen auftreten. Eine Sonderform der Impulswelle ist der Diagonal-Impuls, wie dieser im Bild dargestellt ist. Diese Formation unterliegt eigenen Gesetzmäßigkeiten, denn hierbei ist das Überschneiden der Wellen 2 und 4 zwingend.

Korrektur-Muster

Wellenzählung Korrekturmuster Impulswelle Chaostheorie Triangle

Die Familie der Korrekturwellen präsentiert sich etwas umfangreicher. Wie auch für Impulswellen gültig, bilden sich Korrekturmuster in beide Richtungen aus. Wir unterscheiden drei Grundformen:

  • Das Triangle; ist ein sehr häufig auftretendes Chartmuster.
  • Das Flat; ist ein sich in aller Regel seitwärts ausbildendes Korrektur-Muster.
  • Das ZigZag, ist eine sehr dynamische Bewegung und kann unter Umständen ein erhebliches Ausmaß annehmen.

Das Triangle

Wellenzählung Korrekturmuster Impulswelle Chaostheorie Triangle

Das Triangle ist eine prinzipiell fünfteilige Korrekturformation und wird mit den Buchstaben A: B; C; D; E gekennzeichnet.

Wellenzählung Korrekturmuster Impulswelle Chaostheorie Triangle

Alle Unterwellen müssen sich zwingend, als dreiteilige Korrekturwellen ausformen und alle drei Korrekturmuster ausformen. Das untere Beispiel zeigt ein sich als Welle (IV) ausbildet und Welle (D) selbst ein Triangle beinhaltet.

Das Flat

Wellenzählung Korrekturmuster Impulswelle Chaostheorie Flat

Das ist eine dreiteilige Formation (A; B, C) und bildet sich in aller Regel seitlich aus, bedeutet, dass ein Flat keinen großen Einfluss auf das Kursniveau nimmt. Die Welle (A) muss sich ebenfalls dreiteilig ausbilden, Welle (B) formt sich in aller Regel als komplexe Korrekturwelle aus; dazu weiter später mehr.

Wellenzählung Korrekturmuster Impulswelle Chaostheorie

Welle (C) muss sich als Impulswelle darstellen, wobei sehr häufig ein Diagonal-Impuls zu konstatieren ist. Die einzelnen Wellen müssen sich in ihren Charakteren deutlich voneinander unterscheiden. Ein Flat kann nur als Welle; 2; 4; B; C und X ausbilden.

Chaos im und mit System

Das ZigZag

ZigZag Korrekturmuster Elliott Wellen Wellenzählung

Ein ZigZag ist eine sehr dynamische dreiteilige Korrekturwelle und wird mit den Buchstaben A; B und C gelabelt.

ZigZag Korrekturmuster Elliott Wellen Theorie

Als einzige Korrekturformation besteht das ZigZag mit den Wellen (A) und (C) aus zwei Impulswellen und aus der sich wie üblich als Korrektur ausformenden Welle (B). Welle (B) darf selbst kein ZigZag sein und bildet sich sehr häufig als Triangle oder seltener als Flat aus.

Die komplexe Korrektur

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Die komplexe Korrektur, oder auch zusammengesetzte Korrektur, ist ein Chartmuster bei dem alle Korrekturmuster und damit auch zwei Impulswellen in Erscheinung treten.

Elliott-Wellen-Prinzip Wellenzählung Szenario Chaos-Theorie Korrektur Wellen

Dieses sehr häufig anzutreffende Muster kann nur als Welle (B) und (2) auftreten. Wie das praktische Beispiel aufzeigt, wird eine komplexe Korrektur häufig mit einem Triangle abgeschlossen.

Persönliche Sichtweise auf die Elliott-Wellen-Theorie

Die Elliott-Wellen-Theorie versteht sich als ganzheitlicher und äußerst komplexer Ansatz zur Analyse und Prognose von Finanzmärkten. Dabei wird als Grundbaustein vorausgesetzt, dass die zum Teil chaotisch und völlig unberechenbar anmutenden Bewegungen der Märkte, nicht zufällig eintreten, sondern sich als massenpsychologisches Abbild der Anleger verstehen. Im Grunde bedeutet dieser Aspekt nichts anderes als dass der Mensch nicht der maßgebende Auslöser nicht der Motor dieser Bewegungen ist.

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Robert Rougelot Prechter

Vielmehr gleicht das Handeln der Menschen dem Ausfüllen einer vorgegebenen Matrix, gleich dem berühmten Malbuch eines Kindes.

Das bedeutet im Wesentlichen nichts anderes, als dass sich die Gefühlszustände der Anleger, die da heißen: Angst und Gier, im Chart widerspiegeln.

Dieser Einfluss schlägt sich allerdings nur im Kursverlauf, eben nur in der y-Achse, nieder. Meiner persönlichen Erfahrung nach hat der Mensch keinen Einfluss auf den temporären Verlauf, kann der Mensch keinen Einfluss auf Trendabschlüsse nehmen.

Die Zeit, im Wandel der Zeit

In meinen beiden Videos gehe ich anhand von Beispielen auf diese These etwas näher ein. Der Quantenphysik ist dieses Phänomen seit Längerem als das Quantenfeld bekannt.Ein Quantenfeld beschreibt das sogenannte „All-Eine“, beschreibt die Interaktion aller und allem.

Übertragen auf die Finanzmärkte bedeutet das, dass alle Marktteilnehmer, aber auch alle Nichtteilnehmer, unbewusst miteinander verknüpft sind und sich Gefühlszustände über diese Verlinkung übertragen weerden. Auch dieses Phänomen, der Verschränkung und damit der Übertagung von Zuständen, beschreibt die Quantenphysik mit der schon Albert Einstein bekannten Quantenverschränkung.

Elliott-Wellen-Prinzip Wellenzählung Szenario Chaos-Theorie

Die allgemeine Wahrnehmung der Elliott-Wellen-Theorie weicht von dieser Sichtweise deutlich ab und weißt der Kursentwicklung eindeutig die Präferenz zu. Kurse und Werte sind indes fiktiv und keinesfalls natürlicher Art, denn die Natur kennt weder Euro; Dollar noch Prozente! Allein dem Einfluss der Zeit kann sich die Natur können wir Menschen uns nicht entziehen.

 

Eine ganzheitliche Sichtweise

Die ureigene Elliott-Wellen-Theorie widmet dem Einfluss der Zeit dann auch nicht die gebührende Aufmerksamkeit. In den meisten Publikationen wird die Zeit auch schon mal mit in Betracht gezogen, doch eben nicht als wesentlicher Baustein angesehen.

Im Allgemeinen wird von Kursmustern gesprochen, welches allein schon den Einfluss der Zeit ausschließt und den Fokus auf den Kurs legt. Daher deklariere ich diese Muster als Chartmuster und damit als ein Zusammenspiel, als eine Kausalität aus Kurs und Zeit.

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“The Wave Principle” Ralph -Nelson Elliott

Die eingangs erwähnte Matrix manifestiert sich in immer wiederkehrenden Chartmustern, deren Definitionen einem klaren Regelwerk unterliegen. Die Grundlage für die Deklarierung der einzelnen Chartmuster wird dabei durch die Fibonacci-Zahlenverhältnisse gebildet.

Diese Verhältnismäßigkeiten müssen sich, charakteristisch für jedes einzelne Chartmuster, in der Kurs- als auch Zeitperformance niederschlagen. Prinzipiell stehen mit dem Triangle; dem ZigZag und dem Flat drei Grundmuster zur Verfügung.

Chartmuster in der Elliott-Wellen-Theorie

Diese Formationen werden im Allgemeinen als Korrekturmuster bezeichnet. Jedem Muster wird eine bestimmte Verhaltensweise zugeschrieben in deren Folge Rückschlüsse auf die künftige Entwicklung gezogen werden können. Als viertes Muster wäre dann noch die Impuls- oder auch Antriebswelle zu benennen. Doch hier scheiden sich die Geister, denn meiner Ansicht nach ist eine Impulswelle immer ein Bestandteil eines übergeordneten Korrekturmusters.

Mit dem Adjektiv „übergeordnet“ habe ich einen weiteren fundamentalen Baustein der Elliott-Wellen-Theorie benannt. Es ist die fraktale Struktur der Bewegungen.

 

Henrik Becker
(August 2020)